Radioaktive Sonden für die Medizin

MSB Mit Radiopharmaka lassen sich krankhafte Veränderungen im Gewebe sichtbar machen und Tumore präzise zerstören.

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Strahlentherapie, also die Bestrahlung von Tumoren von außen, gehört zu den wirksamsten Therapien gegen Krebs, ist aber oft mit Nebenwirkungen verbunden, weil auch gesundes Gewebe zwangsläufig in Mitleidenschaft gezogen wird. "Radiopharmaka hingegen, also radioaktiv markierte Medikamente, erlauben eine Strahlentherapie von innen, die gezielt nur Krebszellen zerstört", erklärt Hans-Jürgen Wester, Professor für Pharmazeutische Radiochemie an der TUM. Zusammen mit seinem Team am Lehrstuhl entwickelt er sogenannte "targeted radiotherapeutics". Diese Medikamente werden den Patientinnen und Patienten injiziert und reichern sich im Organismus in den Tumorzellen an. So konzentriert sich die Wirkung der Strahlung, die durch den radioaktiven Zerfall entsteht, auf den Tumor. Das gesunde Gewebe bleibt dabei weitgehend intakt.

Diagnose von Erkrankungen

Radiopharmaka, auch Tracer genannt, können ebenso für die Diagnose von Krankheiten verwendet werden. „Sie haben dann die Funktion einer molekularen, radioaktiven Sonde, die krankhafte Prozesse sichtbar macht”, erklärt Wester. Diese Arzneimittel erzeugen Strahlung, die sich außerhalb des Körpers nachweisen lässt, sodass die Erkrankung mithilfe spezieller Tomografie- Geräte lokalisiert und ihre Ausbreitung dreidimensional dargestellt werden kann. Diese Verfahren haben einen großen Vorteil: Da biochemische Veränderungen in einem Gewebe oft um Wochen und Monate früher auftreten als sichtbare Veränderungen der Gewebestrukturen, können sie Informationen liefern, die über die Darstellung mittels Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) weit hinausgehen. 

„Mit Hilfe von speziellen Radiopharmaka lässt sich so bereits Tage nach Beginn einer Chemotherapie messen, ob die gewählte Therapie bei einem oder einer Behandelten ansprechen wird oder eine alternative Therapie gewählt werden sollte”, ergänzt der Forscher. Zu den besonders erfolgreichen Entwicklungen des Lehrstuhls für Pharmazeutische Radiochemie gehören Mittel zur Behandlung und Diagnose von hämatologischen Krebserkrankungen und Prostata-Krebs.

Radiopharmaka automatisch herstellen

Für den klinischen Alltag sind Radiopharmaka eine Herausforderung: Sie sind oft nur wenige Stunden haltbar, weil die enthaltenen kurzlebigen Radioisotope schnell zerfallen. Radiopharmaka lassen sich also weder lagern noch über lange Strecken transportieren. Mithilfe spezieller Geräte können die Kliniken die Mittel aber vollautomatisch vor Ort herstellen.

Im Jahr 2006 hat Wester die Firma Scintomics GmbH gegründet, die solche Geräte in ihrem Werk in Fürstenfeldbruck herstellt und von dort aus weltweit vertreibt. Die zugrunde liegenden Tracer-Technologien hat Wester mit Kolleginnen und Kollegen an der TUM und am Klinikum rechts der Isar entwickelt und sie wurden kontinuierlich durch die TUM patentiert. Die nachfolgende Kommerzialisierung erfolgt über ein etabliertes weltweites Netzwerk aus Kunden und Partnern. Mittlerweile wurden zwei Tochterunternehmen gegründet, die spezielle Schwerpunkte verfolgen und die klinische Entwicklung von Radiopharmaka vorantreiben.

Unternehmerischen Gedanken unterstützen

Als besonders wachstumsstarkes und nachhaltiges Unternehmen, das die TUM-Philosophie als unternehmerische Universität verkörpert, hat Scintomics 2019 den TUM Presidential Entrepreneurship Award erhalten. Mit seiner Erfahrung als Gründer hat Wester auch die Aufgabe als Gründungsbotschafter der Fakultät Chemie übernommen. „Sehr gerne möchte ich all jene, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Unternehmen zu gründen, darüber informieren, wie einzigartig an der TUM der unternehmerische Gedanke unterstützt wird und wie mannigfaltig die Fördermöglichkeiten sind“, erklärt er seine Rolle.

Weiterführende Informationen

Prof. Dr. Hans-Jürgen Wester

Lehrstuhl für Pharmazeutische Radiochemie

Pressemitteilung zum TUM Presidential Entrepreneurship Award

Scientomics

Unterstützung bei der Gründung: Die TUM unterstützt Studierende sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die mit ihrer Idee oder Technologie ein Unternehmen gründen wollen. Die TUM Gründungsberatung, ein gemeinsames Angebot von TUM und UnternehmerTUM, dem Zentrum für Innovation und Gründung an der TUM, ist die zentrale Anlaufstelle für alle Fragen zum Thema Gründung. Um alle Belange rund um das Thema Erfindungen kümmert sich das Team von Patente und Lizenzen. 

Medienkontakt MSB

Dr. Paul Piwnicki
Presseferent MSB
Telefon: +49 89 289 10808
Email: paul.piwnicki(at)tum.de

Wissenschaftlicher Kontakt

Prof. Dr. Hans-Jürgen Wester

Lehrstuhl für Pharmazeutische Radiochemie

E-Mail: h.j.wester(at)tum.de